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01.11.2007 Rolf Vrolijk diskutiert die neue AC90

Wir haben uns mit Alinghi-Chef-Designer Rolf Vrolijk über die neue AC90-Rule unterhalten, die am 31. Oktober 2007 veröffentlicht wurde. Wir erfahren das Neuste über den Designkonsultations-Prozess und die Unterschiede zwischen AC90 und der Version 5 der America’s-Cup-Klasse. Zudem erzählt er uns, welche nächsten Schritte für das Alinghi-Designbüro anstehen...

Grafik ACM

Wie waren die Design-Diskussion und der Konsultations-Prozess?

„Ich denke, wir können zufrieden sein mit der Gruppe, die wir hatten. Die Challenger waren sehr willig, das AC-Management und Alinghi bei der Weiterentwicklung des Regelwerkes zu unterstützen, damit eine Rule entstehen kann, die von allen wirklich verstanden wird. Eine Regel, von der man überzeugt ist, dass sie für den nächsten America’s Cup richtig ist.“

 

Was haben die Challenger zu den Diskussionen beigetragen?

„Ihr Beitrag war sehr intensiv, besonders gegen Ende der Diskussionen. Am Anfang haben wir, um den Konsultationsprozess zu lancieren, einen Vorschlag gemacht. So konnten sie damit beginnen, sich mit dem Konzept, das wir für das beste für den nächsten Cup hielten, auseinanderzusetzen. Am folgenden Meeting setzten wir uns alle an einen Tisch für ein offenes Round-Table-Gespräch über all die verschiedenen Perspektiven und Möglichkeiten einer neuen Regel. Man kann also sagen, dass dieser Prozess ein Team-Effort war.“

 

 

Was kannst du uns über das AC90-Reglement sagen?
„Natürlich muss das neue Boot das bestmögliche für den nächsten America's Cup sein. Wir wollen deshalb mit diesem neuem Reglement ein beeindruckendes Matchracing-Boot entwickeln, das auch beim Fleetracing überzeugt. Es ist wichtig, dass es für die Crew sehr herausfordernd ist, gut aussieht und eine beeindruckende Grösse hat. Selbstverständlich müssen dabei stets die Anforderungen der Deed of Gift erfüllt werden, das ist sehr wichtig."
 
Welches sind die Hauptunterschiede zur America's-Cup-Klasse?
„Wir wollten wirklich die grösstmögliche Leistung aus einem Konzept herauskitzeln, das man logistisch noch verarbeiten kann und das zudem mit der Deed of Gift übereinstimmt. Dies waren grundsätzlich die Kompromisse, welche wir eingehen mussten. Wir mussten uns auch fragen, wie man ein grosses Boot mit reiner Manpower kontrollieren kann. Dies waren die Punkte, die wir stark forciert haben."
 
Was ist der Unterschied zwischen Box Rule und Rating Rule?
„Man sieht schon ziemlich viele Boote, die in einer Box Rule segeln. Der grösste Unterschied ist, dass die Box Rule alle wichtigen Parameter und Dimensionen bezüglich Maximum limitiert. Das heisst im Prinzip, dass alle am Schluss die gleichen Masse haben: die gleiche Segelfläche, die gleiche Konfiguration, die gleiche Gesamtlänge und die gleiche Breite. Das garantiert, dass die Boote auf dem Wasser etwa ähnlich schnell sind. Ich denke, das ist für das Matchracing sehr wichtig. Das heisst, dass man ein Konzept auch wirklich entwickelt, vor allem, wenn es ein neues Konzept ist. Das heisst auch, dass die Boote leistungsstark sein werden und dass es ausgeglichene Rennen geben wird. Das alte ACC-Reglement war eine Rating Rule und der Unterschied ist, dass man da eine Formel hat, wo man Geschwindigkeits-Faktoren austauschen kann. Das heisst zum Beispiel, dass man ein Boot länger machen kann, dann aber weniger Segelfläche haben muss, oder man kann es schwerer machen und hat dann mehr Segelfläche. Es ist gewissermassen ein Austausch von Geschwindigkeits-Parametern, so dass man einen grossen Bereich hat, wo man das Boot positionieren und für gewisse Bedingungen optimieren kann. Natürlich werden dann die Leistungsunterschiede ziemlich gross. Wenn man die Version 5 anschaut, welche für den letzten Cup entwickelt wurde, dann war das schon wie eine Box Rule. Der einzige Unterschied war, dass man eine Strafe bekommen hat, wenn man die Box verlassen hat. Mit dem neuen Reglement gibt es keine Strafe mehr, es gibt auch keine Rating-Kombinationen, es gibt nur noch die maximalen Masse."
 
Wie wichtig war Tom Schnackenbergs Rolle?
„Seine Rolle war wichtig. Erstens ist er ein Guru, er war bei so vielen America's Cups dabei. Er weiss wirklich, wovon er spricht und was für eine neue Klasse wichtig ist. Er musste die verschiedenen Gruppen und Ideen führen und sicherstellen, dass alle verstehen, wie das neue Reglement aussehen soll. Er sorgte auch dafür, dass alle Interessen der verschiedenen Leute, die in den Prozess involviert waren, berücksichtigt wurden. Er hat sehr gute Arbeit geleistet: es war ein sehr zügiger Prozess ohne Konflikte und am Schluss waren und sind alle sehr zufrieden mit der Entwicklung des neuen Reglements."
 
Welches sind die nächsten Schritte für das Alinghi-Designteam?
„Jetzt ist das Reglement offiziell, die Zahlen sind offiziell und auch die Dimensionen und Parameter. In den nächsten Wochen werden wir nun versuchen, ein Konzept für diese neue Klasse zu entwickeln. In den letzten paar Wochen haben wir an den Tools gearbeitet, es war wichtig, diese bereit zu haben. Jetzt werden wir in eine Phase kommen, wo wir hauptsächlich an unterschiedlichen Ideen und Konzepten arbeiten. Wir werden sehen, wie schnell wir abschliessende Ideen und ein endgültiges Konzept realisieren können."
 
Wann denkst, dass Alinghi mit dem Bau der ersten AC90 beginnen wird und wann wird es lanciert?
„Wir wären glücklich, wenn wir am Anfang des nächsten Jahres mit dem Bau beginnen könnten, damit wir nächsten Sommer mit dem Segeln loslegen können. Ich denke, dass alle Challenger, die sich bisher angemeldet haben, einen ähnlichen Zeitplan im Auge haben. Es ist mehr oder weniger eine Frage, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um mit dem Bau eines neuen Bootes zu beginnen."
 
Es hat nur sechs Wochen gedauert, bis dieses neue Reglement geschrieben war; bei der Version 5 des ACC-Reglements waren es Monate. Weshalb dieser Unterschied?
“Alinghi war beim Verfassen der Version 5 involviert zusammen mit Ken McAlpine und dem Challenger of Record, der damals BMW Oracle Racing war – die anderen Challenger waren nicht dabei. Wir haben diesen Prozess also schon einmal durchgemacht und waren uns bewusst, wie ein Reglement strukturiert sein sollte; welches die Punkte sind, bei denen man auf Nummer sicher gehen muss oder wo man keine Entwicklungen zulässt, die man nicht will. Das war also eine gute Ausgangsbasis. Diesmal waren alle Challenger involviert und es war einfacher, alle Möglichkeiten durchzugehen, als wenn man fünf oder sechs unterschiedliche Gruppen hat, die diskutieren. Es ist gut, unterschiedliche Ideen zu diskutieren, und in einer offenen Diskussion sagen die Leute, wo Probleme entstehen könnten oder welche Schwierigkeiten es vielleicht gibt. So geht man ziemlich schnell durch viele verschiedene Möglichkeiten, um sicherzugehen, dass keine grossen Schlupflöcher im Reglement sind. Ich denke, das beschleunigt den Prozess sehr. Das neue Reglement basierte, was die Grundkonzepte angeht, auf Version 5. Wir haben diese Box Rule mit fixen Dimensionen eingeführt und dies war folglich der Bereich, wo ein Grossteil der Arbeit erledigt wurde.“
 
Hast du schon Vorstellungen, wie die neue Alinghi AC90 ausssehen wird?

„Ich glaube, das haben wir alle! Ich denke, es wird sehr aufregend sein; die Boote werden nicht nur sehr beeindruckend aussehen, auch die Leistung auf dem Wasser wird sehr beeindruckend sein. Wenn die Boote auf dem Wasser sind, werden die Leute realisieren, wie gross sie sind und wie schwierig sie zu segeln sind. Wir freuen uns sehr, eines dieser Boote auf dem Wasser zu sehen und hoffen, dass dies bis Mitte des nächsten Jahres passieren wird."

Grafik : Alinghi

 

Alinghi 1.11.2007

 

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