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7.12.2007 Offener Brief von Alinghi-Präsident Ernesto Bertarelli Nachden Diskussionen von dieser Woche mit den Vertretern des NYYC und Larry Ellison zur Zukunft des America’s Cup beschreibt Ernesto Bertarelli, Präsident von Alinghi und aktueller Titelverteidiger der Trophäe, seine Vision und Gedanken zur ältesten Sporttrophäe der Welt. Ernesto Bertarelli:Meine Vision für den America’s CupSeit Alinghis erfolgreicher Verteidigung des America’s Cup im Juli haben viele Leuten viel gesagt, und ich möchte meine persönliche Leidenschaft, meine Vision des America’s Cup zum Leben zu erwecken, erklären.Als ich Alinghi gründete, ging es darum, ein Team zu erschaffen,
um die Faszination Segeln über jeden verfügbaren Kanal einem möglichst
breiten Publikum zugänglich zu machen. Wir versuchten, die Dinge mit
einer neuen, offenen Art anzupacken. Dass wir einen Teil unserer Basis
für die Öffentlichkeit zugänglich machten, ist nur ein Beispiel für die
vielen Innovationen, die Alinghi in den America’s Cup gebracht hat. Ich
glaube, dass dieser Ansatz zu unserem Erfolg 2003 in Neuseeland
beigetragen hat.
Mit der Verteidigung des Cups haben wir die Gelegenheit bekommen,
diesen Geist mit dem ganzen Anlass zu teilen. Als wir begannen, haben
wir eine klare und innovative Strategie definiert, deren Fokus auf der
Wahl des Austragungsortes, dem Aufbau eines speziell auf den Anlass
ausgerichteten Hafens, auf dem America’s-Cup-Park und auf den Acts lag
– das alles war Teil unserer Vision, den Event möglichst vielen
Menschen zugänglich zu machen.
Mehr als sechs Millionen Menschen besuchten den Event, der
erstmals Syndikate von fünf Kontinenten vereinte. Über das Fernsehen
wurden mehr als vier Milliarden Zuschauer erreicht.
Es gab viele Stimmen, welche die Acts, die Wahl des
Austragungsortes, die Fernsehübertragung etc. vehement kritisierten,
aber die Fakten belegen, dass der 32. America’s Cup ein positiver
Wendepunkt war für diesen historischen Event.
Während ich die faszinierenden Aspekte des America’s Cup sah,
wurden mir gleichzeitig auch seine Schwächen bewusst. Das unsicherere
Format des Anlasses bedeutete, dass Teams – und die ganze
America’s-Cup-Gemeinschaft – über den nächsten Cup hinaus keine Zukunft
hatten. Dass führt dazu, dass Teams nur einen Zyklus überleben und dass
sich der ganze Anlass alle drei bis fünf Jahre neu erschaffen muss. Das
wiederum führt zu einem bedeutenden Anstieg der Kosten und macht es
schwierig, langfristige Sponsoren zu verpflichten.
Das Konzept für die 33. Austragung sah vor, den Organisatoren die
Möglichkeit zu geben, ohne unnötige Hürden weitere Innovationen
umzusetzen. Der Vorschlag, die neue AC90-Klasse mit der Ein-Boot-Regel
in einem Zweijahres-Zyklus zu realisieren, ist eine zentrale Massnahme,
um die Kosten im Griff zu behalten und gleichzeitig die Attraktivität
weiter zu steigern, und durch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur
in Valencia hatten wir eine ideale Plattform, um das Momentum
aufrechtzuerhalten. Damit hätte der Event weiter gedeihen können und
für die Organisatoren wären höhere Einkünfte entstanden, die sie mit
den Teams teilen können.
Die jüngsten Ereignisse in den New Yorker Gerichten und die
Entscheidung des Richters, dass der CNEV nicht rechtmässig sei, weil er
seine Regatta nicht zur rechten Zeit abgehalten habe, zeigen die
Achillesferse des Events auf und man sieht, wie er durch Handlungen
einzelner destabilisiert werden kann. Wie bereits im Jahr 2003 wurde
unsere Vision wiederum von jenen kritisiert, die Veränderungen
zurückhaltend gegenüber stehen. Ich halte mich an eines der Prinzipien
des Cups: Der Treuhänder und Halter hat, gemeinsam mit dem
Titelverteidiger, die Verantwortung über die Führung des Events und
darüber, Massnahmen zu implementieren, die es dem Anlass ermöglichen,
weiter zu gedeihen.
Im Hinblick auf die Zukunft und nach dem Studium der Regeln des
Cups habe ich gesehen, dass die Deed of Gift nicht aktiv Parität für
die Teams und eine langfristige Zukunft des Anlasses fördert.
Im Oktober dieses Jahres reiste ich nach New York, um den Dialog
mit dem New York Yacht Club aufzunehmen. Ich wollte sehen, wie viel
Enthusiasmus und Bereitschaft bestand, den Anlass auf das heutige
Sportumfeld anzupassen. Denn die Deed of Gift wurde ja vor 150 Jahren
im NYYC verfasste und man konnte nicht vorhersehen, wie sich die Welt
verändern würde. Ich rechnete nicht damit, die Diskussionen schnell
abzuschliessen, aber ich war sehr erfreut, als Charles Townsend, der
Commodore des NYYC, und George W. Carmany III, der Vorsitzende des
America’s-Cup-Komitees des NYYC, meine Ansichten teilten.
Man kann sagen, dass der 33. America’s Cup alles andere als gut
gestartet ist, und ich habe den Wunsch, das wieder in Ordnung zu
bringen. Am schnellsten wäre dieses Ziel erreicht, wenn der Golden Gate
Yacht Club und die Société Nautique de Genève mit dem New York Yacht
Club zusammenarbeiten würden, um die Deed of Gift zu überarbeiten und
sie auf die heutigen Gegebenheiten anzupassen, ohne dabei das zu
verlieren, was den America’s Cup einzigartig macht. Innerhalb dieses
Prozesses bin ich gerne bereit, bei einigen der Rechte des
Titelverteidigers Kompromisse zu machen, um das zu erreichen, was für
den Event am besten ist.
Ich möchte in diesem Sinne folgende Fragen aufwerfen:
- Sollte der Titelverteidiger automatisch für den finalen AC-Match
qualifiziert sein oder sollten alle Teams mit den gleichen Bedingungen
starten.
- Sollten der Zeitplan der Austragungsorte und der Inhalt der
Regeln mehrere Zyklen im Voraus bekannt gegeben werden, um eine
frühzeitige Planung und Finanzierung zu ermöglichen?
- Sollte die Führung des Cups permanent sein und von Instanzen
geleitet werden, welche vergangene und aktuelle Treuhänder sowie
teilnehmende Teams repräsentieren?
Über das Wochenende habe ich mich lange mit Larry Ellison
unterhalten, um unseren Vorschlag zu erklären, und ich freue mich, dass
er den Prinzipien in den vorgeschlagenen Änderungen sehr positiv
gegenüberstand.
Basierend auf diesen Prinzipien ist es meine Absicht, auf einen
überarbeiteten America’s Cup in Valencia hinzuarbeiten, der mit der
Sicherheit gesegelt werden kann, dass der Anlass nicht gestört werden
kann, nur um individuelle Anforderungen zu erfüllen, die jenen schaden,
die willig und fähig sind, am Wettkampf teilzunehmen.
Wenn diese Revision der bestimmenden Dokumente des America’s Cup
nicht erreicht werden kann, werden wir die Herausforderung des GGYC
nach der Deed of Gift akzeptieren müssen.
Ernesto Bertarelli
Alinghi-Präsident
Titelverteidiger im 33. America's Cup
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