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07.08.2009 Das Biest zähmen.

James Spithill, der Steuermann des BMW ORACLE Racing Teams, hat eine heikle Mission: Er ist derjenige, der den 27 mal 27 Meter großen Giganten bändigen muss, dem Segelexperten den Spitznamen "Dogzilla" gegeben haben.

Er scheint wie geschaffen für diese Aufgabe. Kaum dem Teenageralter entwachsen betrat Spithill die America's Cup Bühne als Skipper der "Young Australia", einer Nachwuchs-America’s-Cup-Kampagne, die 1999 beim Kampf um die älteste Sporttrophäe der Welt in Auckland für Aufsehen sorgte. Obwohl das Team unter dem Handicap der mangelnden Erfahrung und des unterlegenen Materials zu leiden hatte, trat es mit einer Reife auf, die für das Alter der Segler außergewöhnlich war.

Die Crew gewann genug Wettfahrten, um nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen. Viele Teammitglieder von "Young Australia" haben anschließend eine große Karriere im America’s Cup gemacht – unter anderem der Skipper.

Heute, im Alter von 30 Jahren, hat Spithill bereits drei America’s-Cup-Kampagnen hinter sich. Kurz nach dem Ende der 32. Auflage in Valencia schloss sich der Australier dem BMW ORACLE Racing Team an. Derzeit verbringt er den Sommer mit dem Team in San Diego und trainiert auf dem neuen Trimaran. So etwas wie dieses Boot hat es nie zuvor gegeben, zudem nimmt das Team die Kampagne – notwendigerweise – auf eine ganz neue Art und Weise in Angriff.

"Es ist spannend", meint Spithill. "Jeder geht dieses Projekt mit sehr viel Elan und Enthusiasmus an. Nicht nur die Segler, auch die Bootsbauer, Ingenieure, Designer und Segelmacher – jeder Einzelne arbeitet an etwas völlig Neuem und lotet die Grenzen des Machbaren neu aus. Dadurch haben wir eine sehr aufregende Stimmung im Team. Man sollte annehmen, dass es schnell ziemlich langweilig wird, jeden Tag mit demselben Boot zu testen. Und genau das tun wir. Mit diesem Boot ist es aber völlig anders. Wir freuen uns jeden Tag aufs Neue, es ist nie eintönig."

Das Ziel ist es, für das America’s-Cup-Match im Februar 2010 eine schnellere Mehrrumpf-Yacht als der Titelverteidiger Alinghi zu entwickeln. Da es sich hierbei um eine so genannte Deed-of-Gift-Herausforderung (Abkürzung DOG, daher der Spitzname Dogzilla) handelt, sind die Designvorschriften sehr viel weiter gefasst als bei früheren America’s Cups, und beide Teams arbeiten an richtungsweisenden Yachten, welche die Limits dessen neu definieren, was auf dem Wasser möglich ist.

"Diese Yacht bewegt sich auf einem Niveau, das nie zuvor in Angriff genommen wurde", sagt Spithill mit Stolz. "Das Verhältnis zwischen Kräften und Gewicht ist unglaublich. Niemand von uns hat jemals etwas gesehen, das auch nur annähernd Kräfte entwickelt wie dieses Boot: Segelplan und Masthöhe sind nur zwei Beispiele dafür. Es war für uns alle ein langer Lernprozess."

Schon die nackten Zahlen sind beeindruckend: Die Länge beträgt 30 Meter (Wasserlinie: 27 Meter), die Breite 27 Meter. Damit ist die Grundfläche so groß wie zwei Basketballfelder. Auf dieser Grundfläche erhebt sich der 55 Meter hohe Mast. Das Großsegel ist 630 Quadratmeter, das Vorsegel 620 Quadratmeter groß, der Gennaker misst unglaubliche 780 Quadratmeter. Jedes einzelne Segel ist damit etwa 30 Prozent größer als jenes Tuch, das auf den alten America’s Cup Class Booten zum Einsatz kam. Die Geschwindigkeit, die damit erzielt werden kann, ist nicht minder erstaunlich. Bei Tests hat BMW ORACLE Racing an der 50-Knoten-Marke gekratzt.

In diesem Sommer lag der Schwerpunkt darauf, die im Frühjahr an dem Trimaran vorgenommenen Modifikationen zu testen. "Wir haben einige große Veränderungen vorgenommen und sind nun jeden Tag auf dem Wasser, um die Ergebnisse kennenzulernen", sagt Spithill. "Als wir begonnen haben, mit dem Boot zu segeln, haben wir dies sehr konservativ getan. Jetzt haben wir sehr viel Power, sehr viel Segelfläche zur Verfügung. In unseren Hinterköpfen ist nach wie vor den Gedanke, dass wir mit dem Boot sehr vorsichtig sein müssen. Ein großer Fehler, und diese Kampagne wäre vorüber, also müssen wir bedächtig vorgehen. Andererseits muss man mit Mulithulls Gas geben, damit sie ihr volles Potenzial entfalten können."

Das Segelteam wird weiter hart arbeiten und trainieren, bis es im Februar in einem Best-of-3-Duell um den 33. America’s Cup auf Alinghi trifft. Dieses Match verspricht in die Geschichte des Cups einzugehen.

"Die Performance dieser Yacht ist einzigartig", meint Spithill. "Für uns bedeutet dies eine unglaubliche Chance, die möglicherweise nicht noch einmal kommt. Diese Kampagne ist eine fantastische Erfahrung. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dabei zu sein."

BMW-Oracle 07.08.09

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