10.08.2009 "Russel Coutts: So etwas hat es nie zuvor gegeben".
Interview mit dem dreifachen America’s-Cup-Sieger Russell Coutts, CEO und
Skipper von BMW ORACLE Racing.
Die "BOR 90" ist eine beeindruckende Design- und Ingenieursleistung.
Sind sie als Segler fasziniert von der Yacht und der Aussicht, gegen Alinghis
Katamaran zu segeln?
Russell Coutts: Ich bin begeistert. So etwas hat es noch nie
zuvor gegeben, es wurde an die Grenzen des Machbaren gegangen. Diese Boote
werden spektakuläre Geschwindigkeiten erreichen, die im America’s Cup bislang
unbekannt waren. Sie sind schnell, sie sind eindrucksvoll, wenn sie auf einem
Rumpf segeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Segeln auf diesen Yachten im
Deed of Gift-Match immer noch sehr anspruchsvoll sein wird. Aus Wettkampfsicht
wird das sehr interessant.
Können Sie beschreiben, wie es sich anfühlte, das Boot zum ersten Mal
zu segeln?
Coutts: Es war wundervoll. Alle unsere Segler, vielleicht
mit der Ausnahme von einigen Franzosen, sind noch nie zuvor auf solchen Booten
gesegelt. Es war ein besonderer Moment. Und selbst für unsere französischen
Teammitglieder war es eine neue Dimension. Verglichen mit den Booten zur
Altantiküberquerung, die sie gewohnt waren, ist diese Yacht viel größer und
kraftvoller. Die Cup-Boote sind für Match Races gebaut und daher ziemlich
anders. Es hat uns alle überrascht, welche Power diese Yachten haben.
Es bahnt sich ein denkwürdiger America's Cup an. Zwei faszinierende
Boote werden für das Match im Februar 2010 vorbereitet. Aber dies war nicht
geplant, nachdem Alinghi den 32. America’s Cup gewonnen hatte. Wie konnte es
dazu kommen?
Coutts: Es ist ein Disput über das Reglement. Wir wollen
einen Wettbewerb, in dem wir auch eine Chance haben, zu gewinnen. Die Regeln,
die Alinghi aufgestellt hatte, hätten in unseren Augen keinem Herausforderer
eine Chance gegeben. Darum haben wir angeregt, ein Format ähnlich dem zu wählen,
das beim letzten Mal für alle gut funktionierte und den 32. Cup zu einem so
großen Erfolg werden ließ. Dem haben sie sich verweigert, und seither hat der
Disput kein Ende genommen.
Ich finde es unglücklich, dass die Angelegenheit immer noch nicht vernünftig
gelöst ist. Wir konnten keinen konventionellen America’s Cup, den wir immer
wollten, erreichen. Dessen ungeachtet glaube ich, dass es für die Öffentlichkeit
sehr interessant werden wird – weil eben die Yachten so spektakulär sind.
Ein Deed of Gift-Match gibt dem Titelverteidiger viele Vorteile, der
Herausforderer hat entsprechend hohe Hürden zu überwinden. Wie geht BMW ORACLE
Racing mit dieser Situation um?
Coutts: Es war nicht immer so, und es muss sicherlich nicht
so sein, aber diesmal war es besonders hart. Bei Deed of Gift -Matches in der
Vergangenheit – in der jüngeren Vergangenheit gab es nur 1988 ein solches Duell,
alle anderen datieren aus dem frühen 20. Jahrhundert – kannten alle Beteiligten
frühzeitig den Austragungsort und wussten, nach welchem Reglement gesegelt wird.
Dieses Mal war es sehr schwierig, diese Dinge festzuschreiben. Aber jedes Mal,
wenn wir eine neue Information haben, stellen wir uns darauf ein und gehen
wieder an die Arbeit.
Die beiden Boote wirken sehr unterschiedlich. Glauben Sie, dass es im
Februar dennoch enge Rennen geben wird?
Coutts: Viele Menschen bezweifeln dies. Wenn man sich die
Yachten aber ansieht, könnten sie bei bestimmten Bedingungen sehr eng
beieinander liegen. .Wenn sich die Windstärke ändert, dürfte davon ein Boot
profitieren. Sollte beispielsweise ein Boot bei bestimmten Leichtwindbedingungen
auf einem Rumpf segeln können, das andere aber nicht, so wäre das ein großer
Vorteil für die erste Yacht. Umgekehrt könnte eine Yacht stärkeren Wind besser
nutzen. Es ist also durchaus möglich, dass sich das Bild von Tag zu Tag
ändert.
BMW-Oracle 10.8.2009
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